Verant­wortungs­bewusste

Vielfalt

Feinste Parfüms und Haushaltsreiniger benötigen Duftstoffe, die möglichst gut und lang riechen sollen. Sie dürfen weder Mensch noch Umwelt schaden, sollen nachhaltig sein und werden immer öfter mit Methoden der Grünen Chemie hergestellt. Auch sollten sie aus erneuerbaren Rohstoffen stammen. Symrise hat sich zur Aufgabe gemacht, das Duftstoff-Portfolio langfristig genau auf diese Weise zu erneuern und auszubauen. Die Entwicklung der drei Duftstoffe Lilybelle®, Pearadise® und Spicatanate® zeigt, wie das funktionieren kann.

Die Welt riecht gut. Auch dank Symrise. Das Unternehmen bietet rund 3.000 Duftstoffe an – Parfüm-, Kosmetik-, Wasch- und Reinigungsmittelhersteller setzen sie in Abertausenden von Produkten ein. Sie reichen von feinsten Blumennuancen, die ein Parfüm besonders machen, bis zu kräftigen Noten, die dem Badreiniger den letzten Kick geben. Von Alltagsdüften, die in jeder Seife stecken, bis zu speziellen Kompositionen, die Symrise nur für ausgewählte Duftmarken produziert.

Die Palette ist breit und wächst weiter. Aus vielen Gründen: Verbraucher wollen immer neue Erfahrungen machen, Parfümeure sind bei der Entwicklung neuer Düfte sehr kreativ. Mit immer größerer Macht kommen auch die Belange des Umweltschutzes hinzu. Die Bioabbaubarkeit von Riechmolekülen ist wichtig, weil Rückstände von Reinigern oder Duschgels durch das Ab- in das Grundwasser gelangen. Und auch wenn es um unsere Gesundheit geht, sind die gesetzlichen Bestimmungen zu Recht sehr streng.

Ein weiterer Punkt ist die Nachhaltigkeit beim Rohstoffeinsatz. Immer mehr Grundstoffe sollen natürlichen Ursprungs sein, aber nicht in Konkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion treten. Eine Alternative ist oft die Verwendung von Reststoffen aus der Lebensmittelherstellung . Zudem setzt Symrise auf nachwachsende Rohstoffe. Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Mittlerweile kommen 25 % der Materialien aus diesen Quellen. Um auch die Prozesse nachhaltiger zu gestalten, setzt das Unternehmen auf Grüne Chemie. Durch Katalyse etwa wird viel weniger Energie bei der Herstellung benötigt, Lösungsmittel kommen kaum oder gar nicht zum Einsatz. Außerdem ist der Umsatz vom Rohstoff zum Produkt besser.

Die Entwickler bei Symrise, die im Zuge von Innovationsprojekten auch intensiv mit externen Forschern zusammenarbeiten, befinden sich also in einer komplexen Situation: Sie müssen die Bedingungen erfüllen, die von Gesetzgebern, Umweltorganisationen, Kunden und Endverbrauchern an sie herangetragen werden. Gleichzeitig sollen die Produkte immer besser und wirkungsstärker sein. Weltweit arbeiten deshalb mehr als 1.600 Menschen bei Symrise in Forschung und Entwicklung daran, das umzusetzen. Das interdisziplinäre und globale Team aus Entwicklern, Anwendungstechnikern, Parfümeuren, Produktions- und Regulationsexperten experimentiert jährlich mit mehreren hundert Stoffen. Ein bis drei davon kommen auf den Markt – eine gute Ausbeute, schaut man auf die vielen Parameter und komplizierten Verfahren, die hinter einer Produktveröffentlichung stecken.

3000

Duftstoffe bietet Symrise an.

Die Bioabbaubarkeit von Riechmolekülen ist wichtig, weil Rückstände von Reinigern oder Duschgels durch das Ab- in das Grundwasser gelangen können.

25%

der Materialien kommen aus nachwachsenden Rohstoffen.

1659

Menschen arbeiten weltweit bei Symrise in Forschung und Entwicklung.

Lilybelle®

Eine der beliebtesten Duftrichtungen ist das Maiglöckchen. Die florale Note kommt überall zum Einsatz, in einfachen Haushaltsreinigern und hochklassigen Parfüms. Im Laufe der Jahrzehnte entwickelte die Industrie viele synthetische Riechstoffe, die den frischen und blumigen Duft in zahlreichen Anwendungen erlebbar machen. Manche Duftmoleküle standen im Ruf, hautsensibilisierende Eigenschaften zu haben. Sie entsprechen heute nicht mehr den regulatorischen Richtlinien.

Die Forscher von Symrise machten sich 2009 auf die Suche nach Alternativen. Statt das Rad neu zu erfinden, schauten sie in die seit vielen Jahrzehnten gepflegte hauseigene Datenbank, in der rund 20.000 Moleküle gespeichert sind. Viele hatten es auf den Markt geschafft, die Erforschung anderer war eingestellt worden, weil es zu der jeweiligen Zeit keine Möglichkeit der Kommerzialisierung gab.

Das galt auch für einen Stoff, der nun seit dem Jahr 2017 unter dem Markennamen Lilybelle® vertrieben wird. Vor 35 Jahren hatten Symrise Forscher den Maiglöckchen-Riechstoff zum ersten Mal getestet, aber nicht weiter verfolgt – unter anderem, weil die fünfstufige Synthese im großen Maßstab technisch nicht sinnvoll war. Mehrere Teams haben das Produkt nun zur Reife gebracht. Dazu optimierten sie den gesamten Prozess auch nach den Prinzipien der Grünen Chemie: Es werden keine sensiblen Chemikalien und kaum Lösungsmittel oder Wasser eingesetzt, einige Reagenzien in katalytischer Menge mehrfach verwendet.

Eine strategische Entscheidung des Unternehmens spielte den Forschern in die Karten. Mit der Übernahme der US-amerikanischen Firma Renessenz, mit der Symrise auch zuvor schon zusammengearbeitet hatte, veränderte sich die Rohstoffbasis. Die heutige Unternehmenstochter aus Florida hat einen guten Zugriff auf einen strategischen Rohstoff, der in einen wichtigen Zwischenstoff umgewandelt wird: Das D-Limonen, ein Abfallstoff, der bei der Orangensaftproduktion aus der Schale extrahiert wird. Das Ergebnis ist Lilybelle®, ein in der Natur abbaubarer Duftstoff, den Symrise nun in Parfümmischungen verkauft.

Pearadise®

Wie riecht eine Birne? Süß natürlich, und irgendwie – birnig. Der Geruch der Kernfrucht, die fast weltweit wächst, ist schwierig zu beschreiben. Und doch kennt ihn jeder. Viele Parfüms und Haushaltsprodukte nutzen ihn, in kleinen Mengen, vorsichtig angewendet, um Düften das gewisse Etwas zu geben.

Symrise hat vor einigen Jahren begonnen, einen neuen Birnenriechstoff zu entwickeln, der genau dieses Besondere transportieren soll. Das Duftmolekül sollte sehr sauber und transparent wirken. Süß sollte es riechen, aber nicht zuckrig oder klebrig, stattdessen eher fein, um in Duftkompositionen ganz punktuell birnige Akzente setzen zu können. Mit Pearadise®, einem neuen Molekül, ist das gelungen – und dahinter steckt eine große Forschungsstory.

Die Ausgangslage: Symrise hat viele Birnenriechstoffe im Portfolio, die sich preislich eher im oberen Bereich bewegen. Die Aufgabe lautete also, ein Molekül zu entwickeln, das als Ersatz für die höherpreisigen Produkte dienen kann. Gleichzeitig war die Vorgabe für die Forscher wichtig, einen so nachhaltigen Rohstoff wie möglich auszuwählen. Dieser sollte zu 100 % aus einer erneuerbaren Quelle stammen, aber nicht mit der Nahrungsmittelerzeugung konkurrieren.

Die Forscherteams schauten sich Dutzende von Stoffen an. Sie experimentierten mit verschiedenen Prozessen der Grünen Chemie, um bekannte Abfallstoffe aus der Lebensmittelindustrie umzubauen. Das Ziel war, durch eine Veränderung der Kohlenstoffe des Moleküls den gewünschten Riechstoff zu produzieren. Gleichzeitig ließen sie ihre Ergebnisse in speziellen Computerprogrammen durchrechnen, um die Bioabbaubarkeit vorhersagen zu können – ein weiteres Kriterium für den neuen Duftstoff.

Das Team stieß als Basis für den Riechstoff auf die Itaconsäure, die zum Beispiel aus Reststoffen der Zuckerindustrie gewonnen werden kann. Nach einer Reihe von Prozessen, unter anderem einer Veresterung mit Ethanol aus erneuerbaren Quellen, entstand: Pearadise® – ein Duftstoff, in dessen Namen schon der volle, runde Geruch einer frischen Birne anklingt.

Spicatanate®

Sie heißen Miel Essentiel, Cuir Velours, Ambre 84, Noir Prunol und Rouge Groseille. Allein die Namen dieser fünf DeLaire-Basen klingen nach großer Poesie. Die Vorgänger dieser Parfümrohstoffe, die als Grundlage für die Luxus-Parfümerie dienen, hat Symrise seit mehr als 100 Jahren im Portfolio. Die Parfüm-Basen bestehen aus Duftstoffen, die in reiner Form viel zu intensiv riechen. Deswegen mischen die Symrise Parfümeure sie mit ausgewählten ätherischen Ölen und anderen Stoffen, die die verschiedenen Noten zur Geltung bringen. Nun hat das Unternehmen die DeLaire-Basen in neuen Kompositionen auf den Markt gebracht. Sie duften nach süßem Honig oder Toffee, zartem Leder und pulvriger Schwertlilie, roter Beere, Rhabarber und edler Würze.

Der besondere Duft stammt aus den feinen Rohstoffen, die verwendet werden. Umso überraschender sind so manch andere Ingredienzien. In der Parfüm-Base Rouge Groseille zum Beispiel verwendet Symrise neben Osmanthus – einer fantastisch duftenden Blüte – oder dem ätherischen Davanaöl auch Spicatanate®. Und dieses Captive, ein nur von Symrise in Parfümölen vertriebener Riechstoff, den Symrise patentiert hat, riecht überraschenderweise so gar nicht blumig. Sein Geruch erinnert an Knoblauch oder Zwiebel, entwickelt seine Stärke aber eben in der Kombination. Er gibt Rouge Groseille die ganz besondere Fülle, Frische und Fruchtigkeit.

Die Entwicklung von Spicatanate® hatte mehrere Ziele: Das Molekül sollte einen hohen Wirkungsgrad besitzen, damit Parfümeure mit weniger Riechstoff denselben Effekt wie mit vergleichbaren Stoffen erzielen können. Damit reduziert Symrise den Eintrag von Duftstoffen in die Umwelt. Zudem sollte der Rohstoff natürlichen Ursprungs sein.

Die Forscher fanden eine Struktur, die den gewünschten Dufteffekt erzielt, in der Minzsorte Mentha Spicata. Um den Stoff nachhaltig zu produzieren, nutzt Symrise aber nicht die Minzpflanze, sondern Abfallmaterialien aus der Orangensaftindustrie. Aus der Schale der Früchte wird D-Limonen gewonnen, aus dem wiederum Spicatanate® produziert wird. Das Molekül erfüllt die Vorgaben spielend leicht: Es wird nur zu 0,001 % im Parfümöl verwendet und kann so seine gewaltige Wirkung entfalten.