Kleine Ideen,
große Effekte

Symrise hat seine ehrgeizigen Klimaziele, die für das Jahr 2020 angepeilt waren, schon vier Jahre zuvor erreicht. Dennoch macht der Konzern weiter, wie an vielen Auszeich­nungen und Zertifizierungen abzulesen ist. Drei Porträts von Mitarbeitern aus aller Welt, die mit einzelnen Maßnahmen zum großen Ganzen beitragen, verdeutlichen darüber hinaus beispielhaft das intensive Engagement.

Nachhaltigkeit wird immer mehr zu einem der wichtigsten Erfolgsfaktoren für global tätige Industrieunternehmen – auch für Symrise. Gleichzeitig erfüllt der Konzern mit einem nachhaltigen und zugleich wirtschaftlichen Handeln die Erwartungen der Kunden und Verbraucher. Wie wichtig das Unternehmen diesen ­Auftrag nimmt, ist an der Position des Corporate Sustainability Officers zu sehen. Ausgefüllt wird sie von dem erfahrenen Ma­nager Hans Holger Gliewe.

»Unsere Bestrebungen sind nicht zufällig, sondern folgen der Agenda 2030 und den damit verbundenen 17 Zielen für eine nachhaltige Entwicklung, die von den Vereinten Nationen aufgestellt worden sind.«

Hans Holger Gliewe Corporate Sustainability Officer

Seine Arbeit ist Teil einer klar definierten integrierten Nachhaltigkeitsstrategie. „Unsere Bestrebungen sind nicht zufällig, sondern folgen der Agenda 2030 und den damit verbundenen 17 Zielen für eine nachhaltige Entwicklung, die von den Vereinten Nationen aufgestellt worden sind“, führt Gliewe aus, der seit 1980 im Unternehmen arbeitet. „Wir wenden sie auf unsere vier Säulen der Nach­haltigkeit an: auf den Fußabdruck, den wir beim CO2-Ausstoß hinterlassen, auf unsere Innovationskraft, mit der wir Produkte und Prozesse verbessern, auf unsere Rohstoffbeschaffung und auf unsere Verantwortlichkeit für unsere Stakeholder. Auf diese Weise entwickeln wir uns zu einem weltweit führenden Un­ter­nehmen, wenn es um nachhaltiges Wirtschaften geht.“
Symrise will auf dieser Grundlage die absoluten Treibhausgas-­Emissionen bis 2030 um 17,5 % reduzieren. Das ist ehrgeizig, aber machbar: Das Unternehmen hatte auch seine Klimaziele für 2020 schon vier Jahre zuvor erreicht. Die gesamte Klimastrategie wurde darüber hinaus von der „Science Based Targets Initiative“ ge­nehmigt. Die Vereinigung will den Klimaschutz vorantreiben und gleichzeitig besser bewertbar machen.
Das Engagement lässt sich auch im Jahr 2017 an vielen Stellen ­be­legen. Symrise wurde zum Beispiel vom Carbon Disclosure ­Project (CDP) bescheinigt, dass es in den Kategorien Klima, Wasser und Wald auf weltweit führendem Niveau agiert. Das Un­ternehmen zählt zu den Top 25 in der Welt, wenn es darum geht, Treibhaus­gas-Emissionen zu reduzieren, verantwortungsvoll mit der Ressource Wasser umzugehen und den Schutz des Waldes in den eigenen Produktionsstätten und entlang der Lieferketten ­voranzutreiben. Symrise wurde zudem im britischen Nachhaltig­keits­index FTSE4Good erneut gut bewertet und von der DQS CFS GmbH, der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltigkeit, erneut als „grünes Unternehmen“ zertifiziert.

Synthetisch produziertes Menthol ist eines der Hauptprodukte von Symrise. Das Unternehmen verkauft es an rund 500 Kunden, die das biologisch abbaubare Material in Zahnpasta und Mundwasser, in Pharmaprodukten oder in sprühgetrockneter Form in Süßigkeiten oder Kaugummis einsetzen. Gewonnen wird es in einem komplexen Prozess über mehrere Stufen an den Standorten Holzminden und Bushy Park in den USA. Der naturidentische Aromastoff hat viele Vorteile gegenüber dem natürlichen Menthol: Er ist reiner, Angebot und Preise schwanken weniger, die Produktion ist unabhängiger von Ernten oder Klimaeinflüssen. Und er ist nachhaltiger: Um den Welt­bedarf mit Menthol aus Minzpflanzen zu decken, wäre der Flächenbedarf immens. Außerdem müssten riesige Mengen an Dünger, Wasser und Energie eingesetzt werden, um die Pflanzen aufzuziehen und zu verarbeiten.

Um das synthetische Menthol noch nachhaltiger produzieren zu können, hat Symrise in den vergangenen Jahren die Produktion in Holzminden weiter modernisiert und ausgebaut. Ein Erweiterungs- und Modernisierungsprojekt läuft auch in den USA, wo Christoph Schlüter für die Auslegung und Dimensionierung der einzelnen Apparate sowie die Verfahrensentwicklung zuständig ist. Er koordiniert auch die unterschiedlichen Projektbeteiligten wie Architekten oder Baufirmen und die Rohrleitungsmontage. Wenn die Verfahrensschritte auf dem neuesten Stand sind, wird der Prozess deutlich effizienter. Gleichzeitig spart Symrise mit der neuen Anlage viel Energie ein, weil die Mentholkreisläufe nun geschlossen sind. Und umweltfreundlicher ist die neue Technologie auch in anderer Hinsicht: Die Herstellung erfolgt abwasserfrei und eine Wärmerückgewinnungstechnik wird eingesetzt, um bei minimalem Energiebedarf Kälte für die Produktion zu erzeugen.

Mit einer Millioneninvestition wird Symrise den CO2-Ausstoß im Stammwerk in Holzminden um rund 31.000 Tonnen jährlich reduzieren. Der erste Schritt mit dem Bau des neuen hocheffizienten Kraftwerks auf Basis der Kraftwärmekopplung ist mit der Inbetriebnahme im November 2016 voll­zogen, wo schweres Heizöl durch den emissionsärmeren Brennstoff Erdgas ersetzt wurde. Damit ist das Projekt allerdings noch nicht abgeschlossen. Im Jahr 2019 wird ein wei­terer neuer Kessel installiert, in dem Energie aus Reststoffen erzeugt wird, die bei der Produktion anfallen. Heizöl soll in Zukunft nur noch verbrannt werden, um Spitzen abzufedern. Außerdem er­weitert das Unternehmen die beste­hende Abfallkonditionierungsanlage um zusätzliche Lager­kapa­zität, wo die Abfälle gesammelt werden. Der Grund:
Im Sommer laufen die Kessel deutlich weniger, weil nicht so viel Energie zum Beispiel für Dampferzeugung benötigt wird. Ein Nebeneffekt: Durch die Sammlung der Reststoffe fallen auch weniger Transporte und damit ein geringerer CO2-Ausstoß an.

Der Boden ist bereitet. Und damit das System perfekt und möglichst nachhaltig läuft, kommen Juan Antonio Gallardo und seine Kollegen ins Spiel. Der Kesselwärter ist im Team dafür verantwortlich, dass die Anlage Tag und Nacht läuft und damit für Energie sorgt. Das neue Kraftwerk produziert etwa 40 Mio. Kilowattstunden Strom pro Jahr, aus der Abwärme entstehen 80.000 Tonnen Dampf pro Jahr. Gallardo muss darüber hinaus dafür sorgen, dass Druckluft, Stickstoff und Kälte zur Verfügung stehen und die Ab- und Zuluft geregelt sind. Dafür steuert er die Anlage über den zentralen Computer, hat aber immer auch die Möglichkeit, je nach Bedarf Kessel ab- oder dazu zu schalten. Seine Verantwortung ist groß: Er trägt dazu bei, dass die Produktion zuverlässig mit allen erforderlichen Energien versorgt wird. Erfüllt er seinen Job gut, läuft die Fertigung rund – und gleichzeitig werden immer höhere Mengen an Energie eingespart.

Aromen werden oft sprühgetrocknet, damit die Kunden sie möglichst einfach verarbeiten können. Die Produkte behalten auf diese Weise gleichzeitig länger ihren Geschmack oder lassen diesen erst nach einiger Zeit frei. Dazu werden in mehr als zehn Symrise Standorten die flüssigen Aromenkompositionen zusammen mit Trägerstoffen in Wasser emulgiert und unter hohem Druck durch Düsen in die Sprühtrocknungskammer gebracht, wo sie unter großer Hitze in kurzer Zeit zu kleinsten Kügelchen verkapselt werden – teilweise haben sie einen Durchmesser von nur 0,1 Millimeter.

Die Technologie wendet das Unternehmen seit Jahrzehnten an. Dennoch ist immer Raum für Verbesserung. Manuel Bobillier in Singapur experimentiert in seinen Sprühtrocknungstürmen zum Beispiel mit der Wassermenge, mit der das Aroma produziert wird. Das Prinzip, das der Leiter des Industrialisierungs- und Prozess-Innovationsteams für die Region Asien/Pazifik anwendet, ist ganz einfach: Je weniger Wasser bei der Trocknung im Produkt vorhanden ist, umso weniger Wärme muss bei der Verarbeitung eingesetzt werden, um das Wasser zu verdampfen. Gleichzeitig darf die Aromenmischung nicht zu dickflüssig sein, um ein gut nutzbares Ergebnis zu erhalten.

Die verfahrenstechnische Optimierung stammt aus einem Projekt, das zum ersten Mal in Holzminden ausprobiert wurde. Üblicherweise bestanden die Aromenlösungen aus 60 % Wasser. In mehreren Versuchen haben die Experten über alle Rezepturen hinweg schon bei der Mischung auf 5 bis 10 % Wasser verzichtet, das so bei der Sprühtrocknung nicht mehr verdampfen muss.

Bei mehreren Hundert Produkten hat das Prinzip funktioniert. Symrise spart so Wasser, Strom und Dampf – und die Herstellungszeit verringert sich. Eine weitere nachhaltige Änderung sorgt ebenfalls für mehr Effizienz. Mit einer Wärmerückgewinnung wird das Kondensat, das bei der Sprühtrocknung anfällt, genutzt, um bei anderen ­Prozessen als Wärmequelle zu dienen: Eine Effizienzsteigerung auf allen Ebenen.